Filme, die zu schauen eine gute Idee wäre

Diese 24 Filme empfehle ich persönlich und hemmunglos,

weil ich sie tatsächlich gesehen habe und weil sie mich – jeder auf seine Art – total beeindruckt haben. Es sind ein paar Klassiker dabei, die auf jeder „Die besten Filme aller Zeiten“-Liste stehen, aber auch einige geniale Trash-Perlen, die auf keinen Fall künstlerisch wertvoll sind. Um irgendeine Logik in die Auflistung zu kriegen, habe ich sie chronologisch angelegt, sie fängt daher mit Schwarz-Weiß-Filmen an.

Hinweis am Rande:

Von den Filmen dieser Liste findet man ganze drei bei Netflix. Ich weiß noch nicht so ganz genau, was mir das über Netflix oder meinen Geschmack sagt.

Lieblingsschauspieler*in:
The Great Stone Face, Buster Keaton.

Der General
SW-Stummfilm, ganz großes Kino vor dem Hintergrund des amerikanischen Bürgerkriegs, funktioniert auch heute noch als sehr gute Unterhaltung. Was vielleicht erklärt, warum der Film bei der Uraufführung floppte und erst erst 35 Jahre danach als ein Meisterwerk gefeiert wurde. Der Hauptdarsteller, „der General“, ist übrigens schwarz und wiegt geschätzte 60 Tonnen.

1926
R: Buster Keaton
USA 78 min

Lieblingsschauspieler*in:
In diesem Film gibt es niemanden, der irgendwie sympathisch wäre – schwer da einen Liebling zu benennen, außer Rosebud vielleicht...

Citizen Kane
SW-Tonfilm, rekonstruiert das Leben eines Genies und Multimillionärs, der erst den Kontakt zu den Menschen und schließlich zur Realität verliert. Man kann sich kaum vorstellen, dass Orson Welles erst 24 Jahre alt war, als er diesen absoluten Filmklassiker drehte. Allerdings ist das Ganze eher düster und schwerer Stoff.

1941
R: Orson Welles
USA 119 min

Lieblingsschauspieler*in:
Keiner rollt die Schultern so wie Toshirō Mifune.

Rashomon
SW-Samurai-Krimi, ein Samurai wird ermordet, die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven, u.a. der des Mordopfers, erzählt. Eigentlich geht es um die Frage: Was ist Wahrheit? Und wer bei der Schlussszene keine Träne verdrückt, hat kein Herz. Dass der deutsche Verleihtitel noch den komplett sinnfreien Zusatz „Das Lustwäldchen“ trägt, sollte man einfach übergehen.

1950
R: Akira Kurosawa
J 88 min

Lieblingsschauspieler*in:
Katharine Hepburn sticht Humphrey locker aus.

African Queen
Liebes- und Abenteuerfilm in SW mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn, grober Matrose erobert das Herz einer prüden Nonne, nebenbei versenken sie – weil 1. Weltkrieg ist – das große Kanonenschiff der blöden Deutschen auf dem Viktoriasee. Das waren noch Männer! Klassiker!

1951
R: John Huston
GB 105 min

Lieblingsschauspieler*in:
Chaplins verzweifelten Versuche, nach einer Lifting-OP nicht zu lachen, sind unvergesslich.

Ein König in New York
SW-Film, sehr lustig, aber auch sehr ernster Hintergrund: Chaplin zeichnet ein böses Bild der anti-kommunistischen Hetzjagd in den USA. Es ist kein Zufall, dass der Film eine britische Produktion ist – Chaplin wurde 1952 die Wiedereinreise in die USA, sein Heimatland, verweigert, weil die US-Behörden ihn als gefährlichen Revolutionär einstuften. In den USA wurde der Film erstmals 1973 gezeigt!

1957
R: Charles Chaplin
GB 104 min

Lieblingsschauspieler*in:
Shirley MacLaine – ich sah den Film mit 13 und war sofort verliebt.

Das Apartment
SW-Komödie, kleiner Angestellter entdeckt, dass es Wichtigeres gibt, als seinem Chef um der Karriere willen in den Arsch zu kriechen. Man lernt nebenbei mit einem Tennisschläger Nudeln zu kochen und bekommt eine der beeindruckendsten Großraumbüro-Szenen der Filmgeschichte zu sehen. Der Film ist viel bissiger, als die sehr lustige Oberfläche zunächst erkennen lässt. Unbedingt ansehen!

1960
R: Billy Wilder
USA 125 min

Lieblingsschauspieler*in:
HAL 9000 – definitiv der netteste Kollege an Bord.

2001 – Odyssee im Weltall
Der erste Farbfilm und auch der erste Science-Fiction Film auf dieser Liste. Gliedert sich in drei Teile, nur der Mittelteil ist klassische SF, sehr spannend, Kampf von Mensch gegen Computer im Weltall auf Leben und Tod, die Schluss-Sequenz ist allerdings ein 10-minütiger psychelischer Farbenrausch, nicht einfach zu konsumieren, aber absoluter Filmklassiker, erstklassiges Styling.

1968
R: Stanley Kubrick
USA/GB 143 min

Lieblingsschauspieler*in:
Dustin Hoffman in einer seiner besten Rollen.

Little Big Man
Einer der ersten Western, bei dem die Indianer die Guten sind. Streckenweise sehr lustig, dann aber auch tragisch und kein bisschen lustig. An der härtesten Stelle setzt einfach der Ton aus, als wäre die Welt nur noch stumm zu ertragen. Und wir erfahren, welch netten Vorurteile die American Natives untereinander pflegen.

1970
R: Arthur Penn
USA 147 min

Lieblingsschauspieler*in:
Ellen Geer – Harolds drittes Date, die sich von seinen Inszenierungen nicht abschrecken lässt, dann aber leider das falsche Messer nimmt.

Harold and Maude
Anarchische Komödie über eine Liebe zwischen einem todessüchtigen 20jährigen und einer lebensfrohen 80jährigen, die sich bei Beerdigungen kennenlernen. Ein Kultfilm der 70er und 80er Jahre. Ach ja, die Musik, die ist von Cat Stevens und passt traumhaft zum Film!

1971
R: Hal Ashby
USA 91 min

Lieblingsschauspieler*in:
Mackenzie Phillips – sie spielt die quengelige Göre, die den obercoolen drag-racing König John in den Wahnsinn treibt.

American Graffiti
Coming-of-Age-Film über die letzte Sommerferien-Nacht nach dem Schulabschluss 1962 in der kalifornischen Provinz: Was kommt jetzt? Was ist Liebe? Und wer hat das geilere Auto? Musik kommt prinzipiell aus dem Autoradio und alle Autos sind übermotorisiert. Eine Nacht lang hält das Leben quasi noch die Luft an und man kann so tun als ob...

1973
R: George Lucas
USA 112 min

Lieblingsschauspieler*in:
Peter Boyle spielt den irren Verwandlungskünstler mit fantastischer Würde.

Steelyard Blues
Völlig zu Unrecht vergessener Spielfim – es gibt nicht mal einen deutschen Wikipedia-Eintrag dafür, dabei spielen mit Donald Sutherland und Jane Fonda echt zwei Schauspielgrößen mit. Man erwarte keine größeren Tiefgang, aber erstklassige Unterhaltung. Was passiert? Eine Truppe von Dropouts zieht ihr Ding konsequent durch, herrlich absurd.

1973
R: Alan Myerson
USA 93 min

Lieblingsschauspieler*in:
Sind wir nicht alle zusammen mit William Sampson Jr. ins Freie durchgebrochen, nachdem er das Waschbecken aus dem Boden gerissen hat?

Einer flog über das Kuckucksnest
Tragikomödie, ein Simulant stellt eine geschlossene Psychiatriestation auf den Kopf, aber das System schlägt noch härter zurück, Jack Nicholson in einer seiner besten Rollen, ergreifendes Finale, mindestens drei Taschentücher bereithalten!

1975
R: Miloš Forman
USA 93 min

Lieblingsschauspieler*in:
Marshall McLuhan, der heran gezaubert wird, um einen nervigen Klugschwätzer in der Kino-Schlange zum Schweigen zu bringen.

Der Stadtneurotiker
Komödie mit Woody Allen vor und hinter der Kamera. Man erfährt zwar wieder alles, was man über das Paarungsverhalten gestörter Großstädter wissen muss, aber anders als der deutsche Verleihtitel lässt das Original erkennen, dass es hier nicht um die nächste Woody-Allen-Gag-Parade geht. Der Film hat vielmehr einen fast ausschließlich assoziativen roten Faden, um jedoch immer wieder auf die Figur der im Original titelgebenden „Annie Hall“ zurückzukommen.

1977
R: Woody Allen
USA 93 min

Lieblingsschauspieler*in:
Die ganze Truppe des Théâtre du Soleil, die im Finale minutenlang auf einer Treppe auf der Stelle läuft.

Molière
Historienschinken über das Leben des französischen Theaterkönigs Molière vom „Théâtre du Soleil“ gespielt. Wurde im Kino wegen Überlänge in zwei Teilen gezeigt. Der erste Teil ist fantastisch, auch um zu begreifen wie unglaublich eng der geistige Horizont im 17. Jhd. war. Der zweite Teil glänzt mit einer furiosen Finale, in welchem der sterbende Held quasi in Zeitlupe – aber ohne technischen Trick – eine Treppe hochgetragen wird. Das Sonnentheater-Kollektiv zeigt höchst elegant, dass das Theater sich keineswegs hinter den Special Effects des Kinos verstecken muss.

1978
R: Ariane Mnouchkine
F/I 244 min

Lieblingsschauspieler*in:
John Cleese, der als Agitator der Volkfront von Judäa (nicht zu verwechseln mit der Judäischen Volksfront!) total genervt zugeben muss, dass die Römer so ziemlich alle zivilisatorischen Wohltaten über Judäa gebracht haben.

Das Leben des Brian
Schräge Komödie um das Leben des Jungen, der fast Jesus geworden wäre und unfreiwillig direkt vom Tempelberg ins Weltall geschleudert wird. Am Ende ist aber es seine leicht fehlgeleiteten Liebe zu einer antirömischen Sektiererin, die ihn das Leben kostet. Auch wenn der Film krass schwulenfeindlich ist, sollte er eigentlich Pflicht-Pensum in der politischen Bildung sein, damit die Leute endlich verstehen, wie K-Gruppen und andere religiöse Fanatiker funktionieren. Das Meisterwerk der sechs Jungs von Monty Python, die praktisch alle Rollen im Film selbst spielen.

1979
R: Terry Jones
GB 94 min

Lieblingsschauspieler*in:
Glasgow in seiner ganzen Hässlichkeit – kann fast mit meiner Heimatstadt Oberhausen mithalten.

That Sinking Feeling
Komödie um acht arbeitslose junge Leute in Glasgow, die das ganz große Ding drehen wollen und es auch (fast) schaffen. Das Filmplakat fasst es so zusammen: „8 Teenager, 90 Spülbecken und das Verbrechen des Jahrhunderts“. Das Erstlingswerk von Bill Forsyth wurde mit nur 10.000 Pfund realisiert, ist also ein no-budget-Film, muss sich aber keineswegs verstecken. Man bekommt die ganze Scheußlichkeit der grotesken 70er-Jahre-Mode zu sehen und die englische Originalversion ist fast unverständlich, weil im härtesten Glasgower Slang gesprochen.

1979
R: Bill Forsyth
GB 93 min

In diesem psychedelischen Alptraum nach Lieblingsschauspieler*innen suchen zu wollen, ist vollkommen aussichtslos.

Apocalypse Now
Der definitive Antikriegsfilm – wer nach diesem Höllenritt durch den Wahnsinn des Vietnamkriegs keine Kriegsgegner*in ist, muss gehirntot sein. Hier gibt es keine Guten, niemand ist auch nur sympathisch. Ganz schwere Kost, aber unglaubliche Bilder – traurig, dass die besten Filme so hoffnungslos dunkel sind. Ein absoluter Klassiker in der Liga von Citizen Kane.

1979
R: Francis Ford Coppola
USA 153 min

Lieblingsschauspieler*in:
Charlotte Rampling, die in einer irren Cut-up-Szene alle Register zieht vom Schreien bis zum depressiven Schweigen, um am Ende mit verheulten Augen zu fragen: „Wie sehe ich aus?“

Stardust Memories
SW-Komödie, Woody Allen als Starregisseur, der kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht und versucht, seine desaströsen Frauengeschichten auf die Reihe zu bekommen, toll! Eine fantastische Sequenz mit Charlotte Rampling, die einfach nur auf dem Teppich liegt und eine Zeitung liest, minutenlang – Allen muss unglaublich verliebt in sie gewesen sein. Der Film wurde von der Kritik zerrissen. Ich denke, es ist einer der besten Filme von Woody Allen.

1980
R: Woody Allen
USA 89 min

Lieblingsschauspieler*in:
Daryl Hannah als elektrische Sex-Arbeiterin, die auf Punk umgeschult hat.

Blade Runner
Einer der einflussreichsten Science-Fiction-Film überhaupt, fast alle SF-Filme seither kopieren dieses Design. Die Story ist ebenfalls gut, auch wenn manche Szenen unnnötig brutal sind. Dass dieser Film so ein Meilenstein werden konnte, liegt vor allem daran, dass Scott die dürftige Roman-Vorlage von Philip K. Dick weitgehend ignoriert hat. Am Ende weiß man jedenfalls nicht mehr so richtig, wer die Guten sind. Allerdings hängt das stark davon ab, welche der drei oder vier Film-Versionen man gesehen hat. Ich kenne nur die erste Kinoversion von 1982, der die Geldgeber ein unglaubwürdiges Happy End aufgezwungen haben.

1982
R: Ridley Scott
USA 117 min

Lieblingsschauspieler*in:
John Lithgow in einer großartigen Frauenrolle.

Garp und wie er die Welt sah
Irrwitzige Komödie nach einem John Irving-Roman, unglaubliches Finale, in dem eine Transfrau, die einmal Profi-Footballer war, eine ganze Brigade blutrünstiger Möchte-Gern-Feministinnen wegrempelt, um den Titelhelden vor dem Gelyncht-werden zu retten. Ich bin wirklich kein Fan von Robin Williams, aber in diesem Film macht er seine Sache gut.

1982
R: George Roy Hill
USA 136 min

Lieblingsschauspieler*in:
Der heimliche Star ist der Ein-Weg-Spiegel in der Peepshow, ohne den einige der stärksten Bilder des Films nicht möglich wären.

Paris, Texas
Wortkarges Road-Movie, sehr stimmungsvoll, Nastassja Kinski als Stripperin im roten Strickpullover und Harry Dean Stanton als lonesome wolf – sehr beeindruckend, dazu die lakonische Musik von Ry Cooder. Ich möchte betonen, dass meine Empfehlung nichts damit zu tun hat, dass Wim Wenders auf dieselbe Schule in Oberhausen gegangen ist wie ich, sondern mehr damit, dass Alan Bangs in einer seiner mitternächtlichen Nightflight-Radioshows damals in einem Stück durch eine ganze Stunde des Soundtracks gespielt hat!

1984
R: Wim Wenders
D 147 min

Lieblingsschauspieler*in:
Shinnosuke Ikehata, als „Peter“ eine in Japan sehr bekannte Drag Queen, in der Rolle des Narren.

Ran
Historiendrama, Samurai- und Antikriegsfilm über Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Brüder, die alle in den Tod reißen. Eigentlich eine japanische Version von Shakespeares „King Lear“, unglaublich bildgewaltig, ganz großes Kino, Kurosawas bester Film, aber nicht gerade ein gute-Laune-Film. Das Happy-End wird konsequent verweigert.

1985
R: Akira Kurosawa
J 160 min

Lieblingsschauspieler*in:
Kim Greist als taffe Truckerin ist toll, aber der gepimpte Messerschmitt Kabinenroller schlägt alles.

Brazil
Tragikomödie und Science-Fiction-Film über eine übermächtige Diktatur der Zukunft, gegen die sich ein einfacher Mann auflehnt, eigentlich nur weil er seiner Liebe folgen will. Klappt nicht. Das Lachen bleibt einem am Ende im Hals stecken – spätestens beim bösesten Happy End der Filmgeschichte. Den Film vergißt man nicht. Das SF-Retro-Design auch nicht. Steampunk soll nicht so tun, als hätte das 21. Jahrhundert da was Tolles erfunden!

1985
R: Terry Gilliam
GB 142 min

Lieblingsschauspieler*in:
Natürlich Theresa Russell als Marilyn – keine*r erklärt die Relativitätstheorie besser!

Insignificance
Wüstes Drama, nicht wirklich lustig, aber nicht ohne Humor, z.B. wenn Marilyn Monroe Einstein die Relativitätstheorie erklärt, um ihn ins Bett zu kriegen... Der hysterische Kommunistenjäger McCarthy macht Einstein fertig und Baseball-Star Joe DiMaggio muss damit klar kommen, dass Marilyn allein mit der Tatsache, dass ihr Mann schon 15mal als Sammelbild in Kaugummi-Packungen zu sehen war, nicht glücklich wird. Aber die absolut irre Schluss-Szene vergisst man garantiert nicht – allein schon wegen dieser Szene ist der Film ein Meisterwerk.

1985
R: Nicolas Roeg
GB 110 min

More to come soon!