Projekt „Gemeindestrukturbildung“

„Gemeindestrukturbildung und ethnisches/religiöses Protestpotential bei türkischstämmigen MigrantInnen in Niedersachsen“

Dank einer Finanzierung durch das Land Niedersachsen konnte ich dieses Projekt vom 1995 bis 1996 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hannover unter der formalen Leitung von Prof. Ingolf Ahlers durchführen. Wirklich abschließen konnte ich es allerdings erst im März 1999. (Das kommt davon, wenn man zu gründlich ist...)

Das ursprüngliche Konzept war angeregt von Jürgen Fijalkowskis programmatischen Thesen zum „Forschungsbedarf auf der Meso-Ebene“[1]. Er forderte 1986 auf dem 23. Deutschen Soziologentag, den Blick in der Migrationsforschung auf die Bildung von Migranten-communities zu richten und diese als intermediäre Akteure wahrzunehmen. In der Zielsetzung richtete sich das Ganze auf den Zusammenhang zwischen der Herausbildung sogenannter „ethnischer Kolonien“ und einer möglichen Artikulierung ethnischen oder religiösen Protests, was am Beispiel der türkischstämmigen MigrantInnen in Niedersachsen untersucht werden sollte. Tatsächlich war ursprünglich einmal geplant gewesen, zwei Städte in Niedersachsen miteinander zu vergleichen und zwar eine Kleinstadt der Größenordnung von Celle oder Hameln mit der Großstadt Hannover, wo mit 23.000 türkischstämmigen Einwohnern mehr als ein Fünftel aller türkischen Staatsbürger in Niedersachsen beheimatet sind. Aufgrund von Mittelkürzungen reichte es aber faktisch nur für eine Untersuchung in Hannover selbst.

Während so die niedersächsische Vergleichsdimension gleich zu Anfang dem Rotstift zum Opfer fiel, ging die Kategorie des „Protestpotentials“ als Referenzpunkt der Analyse bald darauf mit dem Fortschritt der projektinternen Diskussionen über Bord. Vor allem deshalb, weil die Konzentration auf Protestpotentiale den Forschungsblick immer wieder auf die unausgesprochen dahinterstehende Forderung nach reibungsloser „Integration“ verengte.

Da das Projekt – wie schon gesagt – nicht innerhalb des Finanzierungszeitraums abgeschlossen werden konnte, entstand die schwierige (aber leider nicht ganz seltene) Situation, daß ich den Endbericht nebenher fertigstellen mußte. So zögerte sich der Abschluß bis zum März 1999 hinaus. Der Abschlußbericht wurde nur zur Vorlage beim niedersächsischen Wissenschaftsministerium erstellt, an eine Veröffentlichung war und ist nicht gedacht.

Anmerkungen:

1
So der Untertitel von Fijalkowskis Referat auf dem 23. Deutschen Soziologentag. Siehe: Friedrichs, Jürgen (Hg.) Technik und sozialer Wandel. 23. Deutscher Soziologentag 1986: Sektions- und Ad-hoc-Gruppen Opladen 1987 S.579-583. Ausführlicher legte er seine Thesen in dieser Monographie dar: Fijalkowski, Jürgen Ethnische Heterogenität und soziale Absonderung in deutschen Städten. Zu Wissensstand und Forschungsbedarf Berlin 1988 (Ethnizität und Gesellschaft, Occasional papers Nr.13)

Folgende Texte aus dem Projekt sind hier frei zugänglich: