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Turkmenen, Mongolen und Safaviden

Seit den Tagen der Erneuerung des Bagdader Kalifats durch die Seldschuken erlitten die islamischen Kernlande immer neue Zyklen von Reichsgründungen auf der Basis nomadischer Kriegerstämme, zwischenzeitlicher Verstädterung und Konsolidierung der Staatsmacht und anschließenden Zerfalls, begleitet vom Zustrom weiterer Nomaden.(1) Die Seldschuken-Herrscher hatten sich zunächst erfolgreich der voranschreitenden Nomadisierung des iranischen Plateaus entgegengestemmt, denn auch für sie galt, daß eine starke Zentralgewalt auf Dauer seßhafte Steuerzahler braucht und keine eigenmächtigen Nomaden.(2) Ganz wie die späteren Osmanen forcierten die Seldschuken-Sultane den Ausbau einer stammesunabhängigen Militärmacht auf Soldbasis(3) und unterwarfen damit ihre ehemaligen Kampfgefährten, um sie entweder in die Peripherie (nach Anatolien) abzudrängen(4) oder aber zur Seßhaftigkeit zu zwingen.

Mit dem Tod des letzten Seldschuken-Sultans (1157) erlosch jedoch für gut einhundert Jahre jede Kraft, die die Landnahme der weiterhin aus der zentralasiatischen Steppe einwandernden turkmenischen Nomaden hätte bremsen können. Der westliche Teil des Reiches zerfiel sogar noch unter der nominellen Hoheit der Seldschuken in einen Flickenteppich rivalisierender lokaler und regionaler Dynastien.(5) Der östliche Teil seinerseits wurde zum Streitapfel vergleichsweise beachtlicher Mächte, die sich jedoch im Gerangel um die Vorherrschaft gegenseitig blokierten. Hier mischte auch das wiederauferstandene Kalifat zu Bagdad mit, das bis zu seiner endgültigen Zerschlagung durch den ersten mongolischen Il-Khan Hülegü (1258) nicht unbeträchtlichen Einfluß ausübte.(6)

Die Verdrängung der Seßhaftigkeit durch die weidesuchenden Turkmenen

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schritt derweil, bei all ihrer Unkoordiniertheit und Planlosigkeit, zäh aber unaufhaltsam voran. Der letzte große Turkmenenschub wurde Mitte des 13. Jahrhunderts seinerseits von den mongolischen Eroberern vor sich hergetrieben. Für Kurdistan bedeutete dieser sogenannte „Mongolensturm“ die Brandschatzung und Ausplünderung aller bedeutenderen Städte wie Diyarbakïr, Cizre und Mardin.(7) Nur Mosul blieb durch rechtzeitige Unterwerfung zunächst verschont(8), wurde aber 1261/2 ebenfalls verwüstet und die Einwohnerschaft abgeschlachtet.(9) Die mobileren Bewohner der Berge Kurdistans litten hingegen weniger unter den direkten Folgen der mongolischen Eroberung als unter dem dadurch ausgelösten Zustrom an vertriebenen Turkmenen, die von Aserbaidschan bis Anatolien neue Weidegründe suchten.(10)

Einige Autoren meinen, daß auch die Turkmenenstämme der Ak-Koyunlu (zu deutsch ungefähr: „die mit dem Weißen Hammel“) und der Kara-Koyunlu („die mit dem Schwarzen Hammel“) auf der Flucht vor den Mongolen nach Kurdistan kamen.(11) Dafür spricht, daß diese Namen erst für das 14. Jahrhundert dokumentiert sind.(12) Man kann sich das aber auch so erklären, daß verschiedene Turkmenenstämme, die zum Teil schon seit dem 11. Jahrhundert in der Region präsent waren, andernteils erst auf der Flucht vor den Mongolen dort eintrafen, sich im 14. Jahrhundert zu großen Konföderationen zusammenschlossen, die dann als Ak-Koyunlu und Kara-Koyunlu bekannt wurden.(13) Dies einmal als wahr unterstellt, ergibt sich eine neue Deutungsmöglichkeit der Namen Ak-Koyunlu und Kara-Koyunlu: Vielleicht handelt es sich – statt um zufällige Namensähnlichkeit – um den symbolischen Ausdruck zweier konkurrierender Versuche, die regionale turkmenische Vorherrschaft unter einer Dynastie zusammenzufassen.(14) Im übrigen ist ein Hang zur bi-polaren Segmentierung – ob „Schwarz/Weiß“, „links/rechts“ oder „Ost/West“ – nicht untypisch für das nomadische Sozialdenken(15), bezeichnenderweise setzte sich zum Beispiel die

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Ak-Koyunlu-Konföderation ihrerseits aus einem „linken“ und einem „rechten“ Flügel zusammen.(16)

Beide, Ak-Koyunlu wie auch Kara-Koyunlu, hatten ihr Winterquartier im Flachland westlich von Mosul, ihre Sommerweiden allerdings lagen weiter auseinander, erstere rissen ein Berggebiet im Raume Mus an sich, letztere eines östlich des Van-Sees.(17) Die auf den betroffenen Weidegründen zweifellos vorhandenen Vornutzer sahen sich angesichts der turkmenischen Übermacht vor die Alternative gestellt, entweder andernorts Zuflucht zu suchen oder aber die Viehzucht aufzugeben, da in den Bergen Kurdistans und Armeniens Viehhaltung in nennenswertem Umfang ohne sommerliche Wanderung auf die Bergalmen unmöglich war und ist. Ausharren bedeutete aber zu abhängigen Hintersassen der Turkmenen herabzusinken. Besonders schwer betroffen waren die in Süd-Kurdistan heimischen Stämme: Von Arbil bis zum Südende des Urmia-Sees okkupierten mongolisch/turkmenische Nomadenstämme die vorhandenen Weidegründe. Sie stellten auch die Militärmacht der mongolischen Emire dar, die Arbil, Cizre, Diyarbakïr, Çölemerik und Mardin im Namen der Il-Khane beherrschten.(18) Umgekehrt eröffneten die nach Armenien ausgreifenden Eroberungszüge der Mongolen den vertriebenen und weidesuchenden Stämmen neue Freiräume, indem sie die dortige zumeist christliche, seßhafte Einwohnerschaft dezimierten.(19) Das Weide- und Wandergebiet des tribalen Sektors der kurdischen Gesellschaft verlagerte sich so bis Ende des 14. Jahrhundert weiter nach Norden und Westen, d.h. nach Armenien hinein.(20)

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Das Reich der Il-Khane indessen erreichte nie das Maß an staatlicher Machtfülle, welches die verstädterte Seldschukenelite befähigt hatte, sich des nomadischen Unruhepotentials zu entledigen. Zum einen kam ihre Expansion – und damit die für den Etat nomadischer Reiche so wichtige Aneignung von Kriegsbeute – schon 2 1/2 Jahre nach der Einnahme Bagdads zum Erliegen.(21) Zum anderen hatte das radikale Vorgehen der Eroberer gegen die seßhafte Bevölkerung der Region deren ökonomische Basis – nämlich den Ackerbau – in verheerendem Maße beschädigt.(22) Vor allem unternahm man nichts, um den fortschreitenden Verfall der verzweigten Bewässerungskanäle aufzuhalten, weil sie die Wanderung der Viehherden der neuen Herren behinderten. Da die Besteuerung der mobilen und militärisch potenten Nomaden schwierig und wenig erfolgversprechend war, blieb die Bauernschaft, selbst in ihrem dezimierten Zustand, auch für die Il-Khane letztlich die einzig zuverlässige Revenuequelle – mit dem Resultat, daß ihre Gesamteinkünfte gegenüber den Steuereinnahmen der Vorgänger auf etwa ein Fünftel zusammenschrumpften.(23)

Die Erben Hülegüs bekamen dieses strukturelle Defizit nie in den Griff(24), und nach dem Tode seines letzten Nachfolgers (1335) zerfiel das Il-Khanreich im Thronfolgekampf der Mongolengeneräle.(25) Ostanatolien, Armenien sowie ein

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Teil Kurdistans entglitten als erste der Kontrolle: Hier tat sich bis zum Ende des Jahrhunderts ein Machtvakuum auf, das aufstrebende warlords förmlich anzog. Die Ak-Koyunlu waren mit von der Partie, anfangs als militärische Verstärkung verschiedener Prätendenten, später auch auf eigene Faust. Ende der 80er Jahre des 14. Jahrhunderts hatten sie mit den Orten Palu, Kigi und Ergani die feste Kontrolle über ihre Sommerwanderungsroute ins armenische Hochland gewonnen.(26)

Bagdad, und damit auch Mosul samt Teilen Kurdistans, war um 1340 in die Hände eines mongolischen Großen gefallen, der sich auf die Kraft des mongolischen Nomadenstammes der „Jalair“ stützen konnte.(27) Ebensowenig jedoch wie diese Jalair verhindern konnten, daß sich in einigen Städten Kurdistans lokale Dynastien etablierten(28), konnten sie auf Dauer die Expansion ihrer turkmenischen Vasallen, der Kara-Koyunlu, unterbinden.(29) Nach vielen vergeblichen Anstürmen fiel Mosul 1375 endgültig in deren Hände, und als die Mongolenheere Timur-Lengs 1386 ihren ersten Einfall nach West-Persien unternahmen, beherrschten die Kara-Koyunlu schon die ganze Region bis Erzurum.(30) Obwohl die Kara-Koyunlu also bereits eine beachtliche regionale Macht darstellten, half ihnen gegen einen Timur-Leng nur die Flucht in die Berge.(31)

Der Vormarsch seiner Armeen hinterließ eine Schneise der Vernichtung und des Todes.(32) Hatten schon die Mongolen Hülegüs bei ihren Eroberungen wenig Rücksicht auf die seßhafte Einwohnerschaft genommen, übertrafen Timurs Leute alles: Sie kannten nur die Revenuebeschaffung durch Tötung der Besitzer des erstrebten Reichtums. Wenn es heißt, Mus wurde 1386 „von Timur heimgesucht“(33), Diyarbakïr und Mardin 1394 „eingenommen“(34), dann bedeutete das praktisch die Vernichtung dieser Städte. 1395 starben die Einwohner von

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Nisibin(35), geschont wurde allein Mosul, wahrscheinlich aus einer spontanen Anwandlung von Religiosität des Feldherrn.(36) Ein Versuch zur Errichtung einer regelmässigen Steuereintreibung wurde gar nicht erst unternommen: Timur ließ bloß allen greifbaren, beweglichen Reichtum aus dem gerade eroberten Abschnitt ins Zentrum seines Reiches transferieren und teilte das Land anschließend einem Mitglied seines Klans zur weiteren Plünderung zu.(37)

Daß Timurs „Reich“ nach seinem Tode (1405) auseinanderfiel, kann angesichts seiner losen Struktur kaum verwundern, bemerkenswert ist schon eher, daß es einem der Söhne Timurs, Schah-Rukh, gelang, den Mittel- und Ostteil des Reiches unter seiner Hoheit nicht nur politisch wieder zu vereinigen, sondern dort auch den seßhaften Ackerbau wieder etwas zu stabilisieren.(38) Allerdings brauchte Schah-Rukh für die Festigung seines Rumpfreiches fast fünfzehn Jahre; als er sich anschließend der Wiedereingliederung des Westteils widmen konnte, hatten die Turkmenen dort längst vollendete Tatsachen geschaffen. Timurs Eroberungszüge von Aserbaidschan bis Anatolien sowie von Georgien bis Syrien hatten dort nämlich vor allem eines bewirkt: Die Zerschlagung jeglicher Macht, die groß genug gewesen wäre, um Timurs Hegemonie zu bedrohen. Mit dem Kollaps seines Reiches gab es daher in der Region niemanden mehr, der es an Kampfstärke mit den aus den Bergen zurückkehrenden Turkmenen hätte aufnehmen können. Insbesondere die Ak-Koyunlu konnten bei Timurs Tod von einer festen Machtbasis aus in den anstehenden Verteilungskampf ziehen, hatten sie sich ihm doch 1399 unterworfen(39) und für ihre Dienste im Syrienfeldzug die Provinz Diyarbakïr (die damals Urfa und Mardin einschloß) als Lehen erhalten.(40) Die Kara-Koyunlu hingegen mußten – nach zweimaligem Aufbegehren gnadenlos verfolgt – zu Lebzeiten Timurs das tun, was im Englischen so schön “to keep a low profile” heißt. Nach 1405 aber waren auch sie wieder mit neuen Kräften zur Stelle. In blutigen Kämpfen bildete sich alsbald eine Aufteilung der Interessensphären heraus: Die Ak-Koyunlu expandierten vorrangig nach Anatolien und Syrien, die Kara-Koyunlu nach

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Aserbaidschan und dem Irak. Eine stabile Vorherrschaft über Armenien und Kurdistan konnte hingegen keine der beiden Konföderationen erringen.(41)

Die auf Minorsky zurückgehende Darstellung(42), es sei vor allem der radikal schiitische Glaubenseifer der Kara-Koyunlu gewesen, der sie zur Konfrontation mit den sunnitischen Ak-Koyunlu getrieben habe, ist heute so nicht mehr haltbar.(43) Die Unterschiede zwischen den sunnitischen und schiitischen Glaubensfraktionen waren damals keineswegs so klar wie in früheren oder späteren Jahrhunderten, vielmehr waren sie eher fließend.(44) ‚Schiitische‘ Ansichten waren mit der gewöhnlichen sunnitischen Volksfrömmigkeit durchaus vereinbar. Zudem neigten die Turkmenen insgesamt stark den sufi-Bruderschaften zu, die keiner der beiden Schulen eindeutig zuzuordnen waren.

Überhaupt darf man sich Kara-Koyunlu und Ak-Koyunlu nicht als zwei scharf von einander abgegrenzte, kohärente Blöcke vorstellen, wie es insgesamt unsinnig ist, Nomadenstämme allein in den statischen Begriffen von Blutsverwandtschaft zu sehen. Stämme sind – wie bereits erörtert – primär politische Interessengemeinschaften und von daher ‚flüssige‘ Sozialgebilde.(45) Daher konnten Stämme, die gestern noch den Kara-Koyunlu zugetan waren, heute durchaus auf der Seite der Ak-Koyunlu kämpfen und umgekehrt.(46)

Die von ihnen gegründeten Herrschaften litten zudem unter einem gemeinsamen Grundübel: Je mehr Gebiete im Zuge der Reichsgründung erobert wurden, desto mehr Statthalter mußte der siegreiche Führer benennen, die seine

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Sache vor Ort vertreten sollten. Die hierzu notwendige militärische Schlagkraft brachten die Statthalter entweder selbst auf (wenn es sich um Führer einzelner Teilstämme der Konföderation handelte) oder aber der Herrscher mußte ihnen das Kommando über Teile des Reichheeres erteilen. So oder so: Nach der unvermeidlichen Heimkehr der Hauptstreitmacht zu ihrem Stammsitz verblieb vor Ort alle Gewalt in Händen des Statthalters, der sie jederzeit dazu nutzen konnte, sich selbständig zu machen oder einen anderen Oberherrn anzunehmen.(47) So entstand kein einheitlicher Staat, sondern mehr ein loser Haufen von tributpflichtigen Teilstaaten.

Diese strukturelle Schwäche beider Turkmenenreiche drückte sich auch in der Institution des suyurghal aus, einer Art ‚Lehens‘form, die zuerst im 14. Jahrhundert unter den Nachfolgern der Il-Khane aufgetaucht war. Mit einem suyurghal trat der Herrscher einen bestimmten Teil seiner Herrschaft an einen seiner Gefolgsleute ab. Das suyurghal erlaubte seinem Inhaber nicht nur die dortigen Steuererträge zu verzehren, sondern verlieh ihm darüberhinaus Steuerbefreiung und rechtliche Immunität, so daß er unumschränkter Herr auf seinem Besitz war.(48) Mit jeder Gewährung eines suyurghal verkleinerte der Herrscher folglich sein Reich, verringerte sich die ihm zur Verfügung stehende Revenuenmenge – um so mehr als der Titel in aller Regel erblich war.(49) Letztlich stellten auch die prinzlichen Gouverneurstitel, die der Herrscher an seine Familienmitglieder oder andere hohen Stammesführer austeilte, einfach gigantische suyurghal dar.(50)

Da zudem der seßhafte Sektor der Bevölkerung durch die endlosen Invasionen ausgeblutet war, hingegen der jeder zentralstaatlichen Entwicklung abholde nomadische Sektor durch einen dauerhaften Rückstrom von Turkmenen aus dem

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für sie ungastlich gewordenen osmanischen Anatolien immer weiter gestärkt wurde(51), kann es nicht verwundern, daß auch das zur Mitte des 15. Jahrhunderts von beiden wesentlich mächtigere Staatswesen des Kara-Koyunlu-Schahs außerstande war, sich zur einer Zentralgewalt nach Art der Osmanen zu festigen.(52)

Gegenüber den sehr selbständigen Vasallen in Kurdistan und Armenien erlaubte der rudimentäre Staatsapparat kaum mehr als periodische Erpressung von Tributzahlungen, selbst wenn seine Einflußsphäre sich nominell bis Bitlis, Siirt und Hasankeyf (alle süd-westlich des Van-Sees) erstreckte.(53) Zwar konnten die Kara-Koyunlu aufgrund ihrer überlegenen Militärmacht empfindliche Schläge austeilen(54), aber sie konnten die Region nicht dauerhaft unterwerfen und selbständig ausbeuten. Insbesondere der Emir von Bitlis scheint lange Zeit eher ein gleichwertiger Bündnispartner denn ein Vasall gewesen zu sein.(55) In größerem Maßstab wiederholte sich dieses Problem im Verhältnis zwischen Kara-Koyunlu und dem Timurnachfolger Schah-Rukh: Trotz vieler gewonnener Schlachten konnte letzterer die Kara-Koyunlu nicht dauerhaft beiseite drängen. Schah-Rukh beschied sich daher letztlich damit, ambitionierte Kara-Koyunlu-Prinzen beim Sturz des unbotmäßigen Schahs zu unterstützen, um so den Gegner zu spalten und etwas kompromißbereitere Vasallen zu erhalten. Auf diese Weise kam Cihan Schah 1439 – zunächst nur in Täbris – an die Macht.(56) In den fast 30 Jahren seiner Herrschaft dehnte sich das Reich der Kara-Koyunlu erheblich aus. 1445 okkupierte Cihan Schah Bagdad, wo Schah-Rukh 1435 einen anderen Zweig des Kara-Koyunlu-Klans eingesetzt hatte, und gewann so die Kontrolle über den Irak. Im Chaos der Thronfolgekämpfe, die nach Schah-Rukhs Tod (1447) entbrannten, konnte er sich darüber hinaus ganz Westpersien aneignen.(57) Gleichzeitig ging Cihan Schah daran, die aufkommende innere Opposition des Safaviden-Ordens zu unterdrücken. Da dieser Orden die Keimzelle des später nach ihm benannten Reiches in Persien darstellt, soll hier kurz auf seine Geschichte eingegangen werden.

Die in ihrer Frühzeit sunnitisch-orthodoxe und wenig volkstümliche Bruder-

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schaft der Safaviden war gegen Ende des 13. Jahrhunderts um die Schule des hochangesehenen Mystikers und Heiligen Safi ad-Din in der Stadt Ardabil entstanden. Zur Unterhaltung des Heiligtums verlieh Timur-Leng den Nachfolgern Safi ad-Dins das Recht auf die Einkünfte ganz Ardabils samt Umland.(58) Die Safaviden-sheikhs stiegen so zu machtvollen weltlichen Herrschern auf.(59) In Täbris allerdings wurde ihr wachsender Einfluß nicht gern gesehen, und so ließ Cihan Schah 1448 den gar zu ehrgeizigen Ordensmeister Cuneid aus Ardabil vertreiben.(60)

In den Jahren seines Exils predigte Cuneid mit wachsendem Erfolg seine heterodoxe Auslegung des Islam bei den Turkmenenstämmen Anatoliens und Syriens.(61) Er starb 1460 bei dem Versuch, mit einem Raubzug gegen die christlichen Tscherkessen jenseits des Kaukasus den cihad (Glaubenskrieg) wieder aufleben zu lassen.(62) Trotz des Scheiterns dieser Expedition festigte sie das militante Ansehen der Safaviden bei ihren turkmenischen Verehrern. Die steppenbrandartige Verbreitung der Bruderschaft über Anatolien, Kurdistan und Aserbaidschan ging einher mit einer Anpassung an die Glaubensbedürfnisse ihrer einfachen, kïzïlbas genannten Anhänger, so daß immer mehr Elemente vorislamischen, schamanistischen Volksglaubens Eingang fanden.(63) „Schiitisch“ im Sinne der Hochtheologie kann man die kïzïlbas daher kaum nennen(64), es dominierte eher die persönliche Verehrung wundertätiger Heiliger, die teilweise messianische Züge annahm.

Die eigentliche Hochzeit der Safaviden sollte jedoch erst vierzig Jahre später kommen; bei Cuneids Tod stand sein Erzfeind Cihan Schah gerade erst auf dem Höhepunkt der Macht: 1458 hatte der Timuride Abu Said vertraglich dem Verlust Westpersiens zustimmen müssen, wofür Cihan Schah sich fürderhin wieder als dessen Vasall bekannte.(65) Im Westen allerdings waren die Ak-Koyunlu unter Uzun Hasan angetreten, Kurdistan den Kara-Koyunlu streitig zu machen: 1462

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eroberten sie Hasankeyf(66), ein damals nicht unbedeutendes Handelszentrum, auf halber Strecke zwischen Diyarbakïr und Cizre gelegen.

1467 holte Cihan Schah mit einer zahlenmäßigen Übermacht zum Vernichtungsschlag gegen Uzun Hasan aus. Unmittelbar bevor es jedoch zur offenen Schlacht kam, gelang es Uzun Hasan, mit einer Blitzattacke seinen Widersacher vom Troß zu trennen und samt seiner Söhne zu töten. Das plötzlich führerlose Kara-Koyunlu-Heer zerstreute sich daraufhin(67), und etliche Gefolgsleute des unterlegenen Cihan Schah wechselten auf die Seite des Siegers über.(68) Als ein Jahr später die Ak-Koyunlu auch das letzte Aufgebot des Nachfolgers Cihan Schahs schlugen, löste sich die unterlegene Konföderation praktisch in der Ak-Koyunlu-Allianz auf.(69)

Abu Said, nomineller Oberherr des Cihan Schah, wollte das Erstarken seines neuen Gegners im Westen nicht abwarten und nahm begierig den Hilferuf des letzten Sohns Cihan Schahs auf. Im Bemühen, jeder Auffrischung des Ak-Koyunlu-Heeres zuvorzukommen, überstürzte er jedoch die Vorbereitungen seines Feldzuges. Nur so ist zu erklären, daß Uzun Hasans vergleichsweise kleines

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Heer abermals gegen eine militärisch überlegene Macht den Sieg davontrug.(70) Innerhalb von nur zwei Jahren erweiterten die Ak-Koyunlu so ihr provinzielles Nomadenreich zu einem Imperium, das ganz Persien, den Irak, Aserbaidschan und Georgien einschloß.

Damit entstand auch für Kurdistan eine neue Situation: Bislang in der umstrittenen Peripherie zwischen Ak-Koyunlu und Kara-Koyunlu gelegen, bildete es nun eine Insel der Unbotmäßigkeit im Herzen Uzun Hasans Reiches, lag es doch wie ein Sperriegel zwischen dem alten und dem neuen Zentrum des Reiches, also zwischen Diyarbakïr und Täbris. Die mit erheblichem Aufwand betriebene Eroberung von Siirt, Bitlis, Çölemerik und Cizre mag daher Uzun Hasan als eine notwendige Maßnahme zur Absicherung seines Reiches erschienen sein.(71) Gewiß spielte auch das Motiv der Bestrafung der dortigen Lokalfürsten für ihre Liaison mit Cihan Schah eine Rolle.(72)

Statt jedoch anschließend fügsamere Kandidaten aus der örtlichen Elite als neue Vasallen einzusetzen, begannen die Ak-Koyunlu damit, unterschiedslos alle Mitglieder der eingesessenen Herrscherklans auszurotten(73), was die militärisch unverändert potente tribale Elite der kurdischen Gesellschaft in entschiedene Gegnerschaft treiben mußte. Da solch eine Politik die – zuvor durchaus noch denkbare – Integration dieser Stämme in die Ak-Koyunlu-Konföderation ausschloß, verurteilte sie die Einverleibung Kurdistans letztlich zum Scheitern.(74) Zwar war keiner der betroffenen Stämme der gesammelten Konföderationsstreitmacht der Ak-Koyunlu gewachsen, aber da es bei der Eroberung Kurdistans nicht um eine nomadische Landnahme ging, sondern lediglich um die Absicherung einer von vielen Provinzen eines riesigen Reiches, konnte das Ak-Koyunlu-Heer nicht ständig in Kurdistan stehen. In der Praxis bestand die Herrschaft der Ak-Koyunlu darin, daß in allen größeren Städte turkmenische Machthaber mit ihren Leibgarden residierten, im Notfalle verstärkt um die Kämpfer jener Konföderierten, deren Weidegründe in der Nähe lagen. Daß dies nicht ausreichte, um die militanten Bergstämme der Region niederzuhalten, be-

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weist die Häufigkeit, mit der die Entsendung größerer Teile des Reichsheeres zu Strafexpeditionen nach Kurdistan notwendig wurde.

Die von Uzun Hasan in Kurdistan eingeschlagene Politik hätte – um erfolgreich sein zu können – einen ganz anderen Reichsaufbau erfordert. Vor allem hätte es eines großen, stehenden Heeres bedurft, dessen Loyalität zum Herrscher außer Frage stand. An die Aufstellung eines solchen enttribalisierten Heeres konnte Uzun Hasan jedoch ebensowenig denken wie seine Nachfolger(75), da das tribale Organisationsprinzip beim Übergang vom bloß regional bedeutsamen Stammesfürstentum zum großmächtigen Reich nicht wirklich gebrochen werden konnte, wovon das Ausufern der Institution des suyurghals ein deutlicher Ausdruck war. Es trifft daher sicherlich zu, wenn Fragner anmerkt:

„[...] ein jeder Versuch, ein Großreich aufzubauen, mußte sich gegen die großen suyurghal-Eigner richten, erforderte solch ein Versuch doch notwendig die Zentralisierung von Macht und Verwaltung.“(76) (engl. Original)

Man darf allerdings die rechtliche Form nicht als die Ursache des Problems verstehen(77); nicht die Möglichkeiten, die das suyurghal bot, stimulierten die zentrifugalen Kräfte, sondern umgekehrt beweist das Ausufern des suyurghal-Wesens unter den Ak-Koyunlu, daß die zentrifugalen Kräfte der tribalen Führungsclans auch während der imperialen Phase des Herrscherhauses so stark waren, daß sie eine legale Sanktionierung ihrer Machtposition erzwingen konnten. Wie wenig die Herrscher sich selbst aus dem nomadischen Milieu hatten herauslösen können, zeigt sich u.a. darin, daß die alljährliche Verlagerung des imperialen Hofes auf die Sommerweide bis zum Ende der Dynastie beibehalten wurde.(78) Mochte das Reich der Ak-Koyunlu daher auch nach 1469 dem Osmanischen Reich an Fläche und ökonomischen Machtressourcen durchaus ebenbürtig sein, sein Staatsapparat blieb strukturell schwach und erreichte nicht annähernd

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das zentralistische Organisationsniveau des Osmanischen Reiches.(79) Dabei fehlte es durchaus nicht am Willen zur staatlichen Zentralisierung, wie Uzun Hasans gründlicher Versuch zur Sanierung des Steuer(un)wesens(80) oder die Vorstöße seines Sohnes und ersten Nachfolgers Yaqub gegen das suyurghal-Wesen zeigen.(81) Bei längerer Stabilität der Dynastie wäre das Projekt vielleicht sogar geglückt(82), die Thronfolgestreitigkeiten nach dem Tode Yaqubs (1490) stürzten das Reich jedoch in einen zehnjährigen ‚Bruder‘krieg. Kein Wunder, daß gerade in dieser Phase des Untergangs der Zentralmacht mehr suyurghals ausgegeben wurden denn je zuvor.(83)

Insgesamt kann man die verfehlte Politik der Ak-Koyunlu in Kurdistan vielleicht als einen überstürzten und letztlich gescheiterten Vorgriff zu einem Übergang vom tribalen Herrschaftsmodus zum ‚despotischen Zentralismus‘ verstehen.(84)

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Anmerkungen zu „Turkmenen, Mongolen und Safaviden“


1.
Anderson faßt diesen Zyklus folgendermaßen zusammen: „Die nomadische Herrschaft [...] war immer zu demselben Zyklus von Expansion und Auflösung verurteilt. Denn der transhumante Pastoralismus als Produktionsweise war unvereinbar mit einer stabilen, Tribut einziehenden Verwaltung als politischem System. Die nomadischen Herrscher hörten entweder auf Nomaden zu sein oder zu herrschen.“ (Anderson Von der Antike zum Feudalismus S.272) De Planhol bemerkt im gleichen Zusammenhang: „In jedem Fall sind [...] Nomadenstaaten echte Übergangssituationen.“ (de Planhol Kulturgeographische Grundlagen S.72)
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2.
Siehe: Bosworth „The Political and Dynastical History“ S.55
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3.
Siehe: ebenda S.80; Cahen Pre-Ottoman Turkey S.38
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4.
“Warfare in Armenia and Anatolia was [...] left primarily to the Türkmen [...], troublesome and undisciplined marauders whose presence in the settled lands of Iran and Iraq would have been an embarrassment to the sultans.” Denn: “From a marauding band of nomads, the Saljuqs had become the first Turkic rulers of a major sedentary power.” (Erstes Zitat von: Bosworth „The Political and Dynastical History“ S.43; zweites von: Kwanten Imperial Nomads S.63) Siehe auch: de Planhol Kulturgeographische Grundlagen S.249
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5.
“The area [...] was divided into smaller principalities ruled by the Turkish atabegs [...] Several smaller dynasties came into existence [...]” (Kwanten Imperial Nomads S.65)
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6.
Siehe: Bosworth „The Political and Dynastical History“ S.200f
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7.
Siehe: Minorsky „Stichwort: Kurden“ S.1221; Kwanten schildert das so: “The first item on Hulegu's agenda was the elimination of the Ismaili sect [...] The second [...] was to repress rebellious movements in Kurdistan and Lur.” (Kwanten Imperial Nomads S.157)
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8.
Spuler hebt das besondere taktische Geschick des dortigen Fürsten hervor. Siehe: Spuler Die Mongolen in Iran S.55
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9.
Siehe: Honigmann „Stichwort: Môsul“ S.658; Kwanten Imperial Nomads S.247f
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10.
Siehe: de Planhol Kulturgeographische Grundlagen S.248
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11.
Siehe: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.33; Werner Geburt einer Großmacht S.298
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12.
Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.181
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13.
Dies legt auch Minorskys Darstellung („Stichwort: Ak Koyunlu“ S.311) nahe.
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14.
Diese Überlegungen angeregt von: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.180-184
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15.
Schon die sagenhaften 24 Ur-Stämme der Oghuzen gliederten sich in einen rechten und linken Flügel. (Siehe: Woods The Aqquyunlu S.188) Grundsätzliches über die Dichotomie des tribalen Universums im Kontext der kurdischen Gesellschaft findet sich bei: van Bruinessen Agha, Shaikh and State S.73-76 (dt.: S.94-96)
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16.
Siehe: Woods The Aqquyunlu S.7
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17.
Für die Weidegebiete der ersteren siehe: Minorsky „Stichwort: Ak Koyunlu“ S.311; für die der letzteren: Sümer „Stichwort: Kara-Koyunlu“ S.584; wenn Hinz hingegen schreibt: „[...] während die Schwarze Horde sich in der Gegend von Erzindschân und Sîvâs niederließ, besetzte die Weiße Horde das Gebiet von Dijârbekr“, dann bezieht er sich sicherlich auf die Zeit nach 1400. Siehe: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.33
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18.
Siehe: Minorsky „Stichwort: Kurden“ S.1221; beschränkt auf die Region Mukrian (Gebiet um Mahabad) berichtet Rudolph ähnliches. Siehe: Rudolph/Salâh „Die Feizollâbegi“ S.286
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19.
“[...] Mongol rule had increased in Armenia the size of the nomad element, primarily Turkoman, which inflicted great injury on the peasants, for the most part Armenians.” (Carnard u.a. „Stichwort: Armîniya“ S.639) Van Bruinessen nennt die Entvölkerung der im 12. Jahrhundert noch mehrheitlich christlich-armenischen Region Bitlis durch die Mongolen und die nachfolgende Landnahme durch muslimische Stämme als ein Beispiel. (Siehe: van Bruinessen Agha, Shaikh and State S.196 (dt.: S.212f)) Die Einwohnerschaft der Stadt Bitlis selbst war aber auch noch im 17. Jahrhundert mehrheitlich armenisch-christlich. So: Lewis „Stichwort: Bidlîs“ S.1207
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20.
Siehe: Cahen „Le problème ethnique en Anatolie“ S.358 und S.360; ders. Pre-Ottoman Turkey S.154 und S.316; Vanly „Le déplacement du pays kurde vers l'ouest“ S.28; der letztgenannte Aufsatz ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da Vanly bei aller Sachkenntnis vor einer gewissen Trübung des Blicks durch nationalistischen Eifer nicht gefeit ist. So scheint es mir z.B. kaum konsequent, die arabischen Geschichtsschreiber des 9./10. Jahrhunderts zu rügen, weil sie einfach alle nicht-arabischen Nomaden als „Kurden“ bezeichnen (S.21), gleichwohl aber die Umrisse eines damaligen „Kurdistans“ danach zu bestimmen, wo genau diese Geschichtsschreiber überall „Kurden“ verortet haben (S.23). Ganz offensichtlich wurde hier das Bedürfnis, „Kurdistan“ als möglichst groß darzustellen, auf Kosten der wissenschaftlichen Exaktheit befriedigt.
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21.
1260 scheiterte nicht nur Hülegü Khans Angriff auf das mamlukische Ägypten, sondern auch Syrien ging für immer an die Mamluken verloren. Selbst an den Grenzen zu den anderen Teilreichen aus der Konkursmasse des mongolischen Großkhanats wurde das Reich im Norden und Nordosten dauerhaft in die Defensive gedrängt. Siehe: Weiers „Die Mongolen im Iran“ S.304; Spuler „The Disintegration of the Caliphate of the East“ S.164f
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22.
“The Mongol invasion [...] was a major catastrophe. The Middle East witnessed a sudden and drastic drop in its population [...] The devastation was so enormous that Persia did not fully recover until long after the disapperarance of the Mongols themselves. [...] The Mongols, with their inbred dislike for the peasantry, favored nomadism. The population decline made it easy to convert excellent agricultural land into excellent pasture land, sharply reducing the amount of arable land available.” (Kwanten Imperial Nomads S.212f) Siehe auch: Spuler „The Disintegration of the Caliphate“ S.166; Fragner „Social and Internal Economic Affairs“ S.491
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23.
Angeblich betrug die Ackerbau betreibende Bevölkerung um 1300 nur noch 10% der vor-mongolischen Zeit. (Siehe: Spuler Die Mongolen in Iran S.319) Zur Bauerschaft als wesentlicher Revenuequelle siehe: ebenda S.317; zum Rückgang der Steuereinnahmen siehe: Kwanten Imperial Nomads S.213f
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24.
Nur in den neun Jahren der Herrschaft des Il-Khans Ghasan (1295-1304) wurde versucht, das Steuer noch einmal herumzureißen: Mit einer ganzen Serie von Maßnahmen wurde die Landwirtschaft gezielt gefördert. (Am ausführlichsten beschrieben bei: Spuler Die Mongolen in Iran S.316-322) U.a. erhielten Militärangehörige und Staatsdiener nach dem Vorbild des seldschukischen iqta statt in Münze ausgezahltem Sold Pfründe zugewiesen und wurden so dazu genötigt, schon aus Interesse an den eigenen Einkünften, die seßhafte Landwirtschaft zu beschützen. (Siehe: Weiers „Die Mongolen im Iran“ S.327; Spuler Die Mongolen in Iran S.330f und S.408f) Aber schon Ghasan Khans Nachfolger konnte diese Politik nicht mehr durchhalten. Siehe: Spuler „The Disintegration of the Caliphate“ S.167; Spuler/Ettinghausen „Stichwort: îlkhâns“ S.1122
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25.
“The situation [nach 1336 G.B.] can best be described in a single word: chaos. [...] Three Il-Khans were obviously two too many. War broke out, and when the dust cleared, there were no more Il-Khans.” (Kwanten Imperial Nomads S.245) „[...] das ganze Land zerfiel in einzelne Gebiete mit besonderen Schicksalen.“ (Spuler Die Mongolen in Iran S.127)
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26.
Siehe: Woods The Aqquyunlu S.49; interessant auch die Karte 3 auf S.44
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27.
Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.21
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28.
Ein Beispiel ist Bitlis, das der Stamm der Ruzagi (andere Benennungen: Rojeki, Rozagi, Ruzaki) in Beschlag nahm. Aus dem Chefklan der Ruzagi ging dann eine Herrscherdynastie hervor, die sich bis 1849 in Bitlis halten konnte. Siehe: Lewis „Stichwort: Bidlîs“ S.1206; Minorsky „Stichwort: Kurden“ S.1225
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29.
Siehe: Sümer „Stichwort: Kara-Koyunlu“ S.584
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30.
Siehe: Spuler „The Disintegration of the Caliphate of the East“ S.171
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31.
Siehe: Minorsky „The Qara-Quyunlu and the Qutb-Shahs“ S.56
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32.
„Es handelte sich [...] nicht mehr um spontane Grausamkeiten und Zerstörungen, wie sie Nomadeneinfälle mit sich brachten, sondern um organisierten Terror, um die massenweise Vernichtung friedlicher Bevölkerung und die Verwüstung ganzer ackerbautreibender Landschaften. Dieses geplante Terrorsystem verfolgte das Ziel, jene Bevölkerungsgruppen zu vernichten, die zum Widerstand bereit oder fähig schienen. Sie sollten sterben, um eine Massenpanik in den eroberten Ländern zu erzeugen. [...] Timur wandte dieses Programm konsequent auf seinen Raubzügen an [...]“ (Werner/Markov Geschichte der Türken S.36)
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33.
Kramers „Stichwort: Mûsh“ S.807
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34.
Shaw History of the Ottoman Empire and Modern Turkey. Vol.I S.33
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35.
Siehe: Honigmann „Stichwort: Nasîbîn“ 929
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36.
Der Muslim Timur wünschte, die bedeutenden Heiligtümer Mosuls unter seinen Schutz zu nehmen. (So: Honigmann „Stichwort: Môsul“ S.658) Ähnlich verhielt er sich gegenüber der Stadt Ardabil, da er die dort ansässigen Safaviden-sheikhs verehrte. (Siehe unten S.80)
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37.
Siehe den Abschnitt „Motive und Methoden“ bei Roemer (Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.68-74); siehe auch: Kwanten Imperial Nomads S.270; Spuler merkt an, von einer „Herrschaft“ Timurs könne man eigentlich nicht sprechen, da sich diese darin erschöpft habe, in seinem Einflußgebiet „zu plündern und zu massakrieren ohn' Unterlaß“. (Spuler „The Disintegration of the Caliphate of the East“ S.170)
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38.
Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.129 und S.142
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39.
Siehe: ebenda S.187f
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40.
Siehe: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.128f; Werner Geburt einer Großmacht S.298; Minorsky „Stichwort: Ak Koyunlu“ S.311
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41.
Siehe: Woods The Aqquyunlu S.56
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42.
„Die Dynastien Kara-[K]oyunlu und Ak-Koyunlu [...] zogen die kurdischen Stämme in die politischen und religiösen Kämpfe (vgl. das extreme Shî‘itentum der Kara-Koyunlu) [...]“ (Minorsky „Stichwort: Kurden“ S.1222)
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43.
„[...] die These von ihrem schi‘itischen Übereifer, der in der Person Gahânsâhs seinen Höhepunkt gefunden habe, [läßt sich] nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten.“ (Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S. 199) Um so mehr muß es überraschen, daß die betreffende Passage von Minorsky in der Neuauflage der Encyclopaedia of Islam unverändert übernommen wurde. (Siehe: Bois u.a. „Stichwort: Kurds, Kurdistân“ S.456) Sönmez übernimmt Minorskys These nicht nur kritiklos – noch dazu in einem nicht ausgewiesenen wörtlichen Zitat (S.46) –, sondern verflacht ihn zusätzlich, indem er unterstellt, die turkmenischen „Eindringlinge“ hätten die gutgläubigen Kurden zu religiösem Sektierertum aufgestachelt, um sie so leichter beherrschen zu können: „Auf diese Weise brachen bald wieder die Auseinandersetzungen zwischen den kurdischen religösen Sekten aus. Die lachenden Dritten waren immer die herrschenden Turkmenen, Araber und Perser.“ (Sönmez Geschichte der Kurden S.47)
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44.
„[Auf] die Frage, was denn im 9./15. Jahrhundert eigentlich unter Schi‘a und was unter Sunna verstanden worden sei, [kann] eine präzise Antwort einstweilen nicht gegeben werden [...] Fürs erste müssen wir uns mit der Vermutung zufriedengeben, daß damals die bekannten Definitionen früherer Zeiten nicht mehr voll gültig gewesen sind.“ (Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.226f)
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45.
“The idiom of tribal ideology was one of kinship, but the tribal reality was formed of shared interest, advantage, and service.” (Lindner Nomads and Ottomans S.33)
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46.
“The political achievements of the dynasty led many tribes to enter the service of the Kara-Koyunlu [...] subsequently these tribes took service with the Ak-Koyunlu and later with the Safawids.” (Sümer „Stichwort: Kara-Koyunlu“ S.584)
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47.
Dieses Problem brachte die Konföderation der Ak-Koyunlu nach dem Tode ihres überragenden Führers Kara-Usman (1435) an den Rand des Zusammenbruchs. Jeder der zahlreichen Söhne Kara-Usmans, aber auch die seiner beiden Brüder, waren im Laufe der territorialen Expansion der Konföderation mit Statthalterposten in einer der wichtigeren Städte wie Urfa, Erzincan, Erzurum, Palu oder Mardin belehnt worden. Jeder hatte so seine eigene Hausmacht, und schon bald gab es Anwärter, die dem offiziellen Thronfolger Ali den Führungsposten streitig machten. Die Kara-Koyunlu konnten einige von ihnen gegen Hilfeversprechen auf ihre Seite ziehen, und so stand Ali allein mit den Truppen, auf deren Loyalität er als Statthalter von Diyarbakïr rechnen konnte, gegen die gesammelte Streitmacht der Kara-Koyunlu, als diese 1436 in das Gebiet der Ak-Koyunlu eindrangen. Siehe: Woods The Aqquyunlu S.75f
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48.
Siehe: Fragner „Social and Internal Economic Affairs“ S.505f
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49.
„Er [der Nomadenadel G.B.] besaß den größten Teil der Staatsländereien, die, ganz im Unterschiede zum Osmanenreich, de facto-Eigentum der Steppenaristokratie waren. Das Lehen bezeichnete man als soyurgal. [...] Die großen Emire waren so nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch und militärisch weitgehend selbständig. Von einer Zentralisierung des Staates kann nicht gesprochen werden. Es war mehr ein loser Verband größerer und kleinerer Emirate, der rasch auseinanderbrechen konnte.“ (Werner Geburt einer Großmacht S.303) Siehe auch: Bausani Die Perser S.128
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50.
So: Fragner „Social and Internal Economic Affairs“ S.507
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51.
Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.194
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52.
So blieb z.B. die Kontrolle des Kara-Koyunlu-Schahs über Bagdad und damit über den Irak zwischen 1412 und 1445 zweifelhaft, weil sich sein dort residierender Sohn um die nominell existierende Vasallität herzlich wenig scherte. (Siehe: Sümer „Stichwort: Kara-Koyunlu“ S.587) 1466 mußte Cihan Schah die Stadt erneut gewaltsam erobern, um den Statthalter zur Botmäßigkeit zu zwingen. Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.195
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53.
Siehe: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.51
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54.
So z.B. gegen die Herren von Ahlat und Bitlis sowie die von Van und Hakkâri, da diese 1421 vorschnell auf die Seite Schah-Rukhs übergegangen waren. Siehe: Minorsky „The Qara-Quyunlu and the Qutb-Shahs“ S.63; Sümer „Stichwort: Kara-Koyunlu“ S.587
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55.
Siehe: ebenda; Minorsky „Stichwort: Kurden“ S.1222
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56.
Siehe: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.128; Minorsky „Stichwort: Kurden“ S.1222
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57.
Siehe: Sümer „Stichwort: Kara-Koyunlu“ S.587f
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58.
Siehe: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.15
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59.
Streck („Stichwort: Ardabil“ S.443) spricht sogar von einer Art „Priesterstaat“.
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60.
Die Art und Weise, mit der Cihan Schah die Vertreibung Cuneids bewerkstelligte, ist – nach Cihans eigener Machtergreifung mit Schah-Rukhs Nachhilfe – ein weiteres Beispiel für die Dynamik von Vasall-Großherr-Beziehungen: Statt eine Armee gegen Ardabil marschieren zu lassen, nutzte Cihan Schah ein internes Zerwürfnis zwischen Cuneid und dessen Onkel Sheikh Jafar aus. Dieser übernahm auf Cihan Schahs Anstiftung hin den Hinauswurf Cuneids, um selbst zum Herrn über Ardabil aufzusteigen. (Ich stütze mich hierbei auf: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.24) Durch diese divide-et-impera-Praxis wurde allerdings grundsätzlich der Anspruch des Safaviden-Clans auf Ardabil eher bestätigt denn geschwächt, was ein Schlaglicht auf die Kluft zwischen dem mittelalterlichen und einem modernen Staatsverständnis wirft.
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61.
Siehe: Keddie „Iran und Afghanistan“ S.161
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62.
Siehe: Sarwar History of Shâh Ismâ‘îl Safawî S.24
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63.
So: Shaw „Das Osmanische Reich und die moderne Türkei“ S.67f
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64.
Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.228-231
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65.
Siehe: Sümer „Stichwort: Kara-Koyunlu“ S.588; Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.134
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66.
Die Vorgeschichte dieser Eroberung ist in bezug auf das Verhältnis von Vasall und Großherr sehr lehrreich: Bereits 1453 wurde der alteingesessene Emir von Hasankeyf und bis dato mamlukische Vasall, al-Kamil Ahmad, gezwungen, Uzun Hasan als alleinigen Oberherrn anzuerkennen. Die Kara-Koyunlu, eifersüchtig ob dieses Erfolgs, stifteten daraufhin einen anderen Hasankeyfer Großen zum Sturz Ahmads an. Uzun Hasan eroberte die Stadt gewaltsam zurück, annektierte sie jedoch nicht, sondern bestätigte vielmehr seinen Vasallen Ahmad im Amt und zog wieder ab. (Dargestellt nach: Woods The Aqquyunlu S.92f) Daraus kann man den Schluß ziehen, daß die rein militärische Eroberung einer Stadt allenfalls dafür reichte, sie einmalig zu plündern. Um ihre Ressourcen hingegen regelmäßig ausbeuten zu können, bedurfte es legitimer Autorität, und die war für Uzun Hasan – zumindest noch 1454 – durch einen Sub-Herrscher leichter zu beschaffen. 1462 jedoch hatte sich Uzun Hasan von einem bloßen Anwärter auf die Führung der Ak-Koyunlu zu deren unbestrittenen Chef gewandelt, bereits zwei erfolgreiche ghaza-Züge gegen die christlichen Georgier geführt (hierzu: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.44f) und die Kara-Koyunlu mit einem bedeutenden Schlachtensieg in die Schranken verwiesen (Woods The Aqquyunlu S.97). Durch soviel Erfolg legitimiert, brauchte er keinen Vasallenherrscher mehr, um Hasankeyf kontrollieren zu können.
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67.
Darstellung nach: Woods The Aqquyunlu S.109f. Wenn Hinz diesen völlig unvorhersehbaren Sieg für „nicht überraschend“ hält, dann liegt das an einem zeitbedingten (Erscheinungsjahr: 1936) Kotau vor dem „Führerprinzip“: „Der Kampf zwischen Weißer und Schwarzer Horde erscheint im Grunde als die Auseinandersetzung zwischen ihren beiden Führern, bei der die stärkere Persönlichkeit den Ausschlag gab.“ (Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.54) Diese Anwandlungen von NS-Ideologie – an anderer Stelle (S.74f) versucht Hinz krampfhaft, die „nordische“ Abstammung des späteren Schahs Ismail I. zu beweisen – schmälern etwas das Vertrauen in die Wissenschaftlichkeit des Autors.
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68.
Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.205
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69.
Es ist daher unzutreffend, wie Matuz (Das Osmanische Reich S.65) von einer völligen Auflösung des Staatswesens der Kara-Koyunlu zu sprechen: Das Ausmaß des Umbruches war nicht viel größer als nach einem Thronfolgekrieg innerhalb des Herrscherhauses. Gewechselt hatte nur die Führungsmannschaft, der Fixpunkt der Loyalitäten. Die Grundlagen des Systems, die Vormacht der Vollnomaden und die starke Dezentralisierung blieben unverändert, nur daß statt der Söhne Cihan Schahs nun die Söhne Uzun Hasans als Statthalter in Bagdad, Shiraz, Isfahan, Kirman etc. saßen.
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70.
Siehe: Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.205
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71.
Diese Gedanken entnahm ich bei: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.52
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72.
Der Emir von Bitlis hatte sogar noch ein Jahr nach Cihan Schahs Tod für dessen Sohn gegen die Ak-Koyunlu gekämpft. Siehe: Woods The Aqquyunlu S.111
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73.
Nur der Emir von Bitlis entging durch Kapitulation zunächst der Tötung (siehe: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.136f), unter dem Nachfolger Uzun Hasans fand aber auch er den Tod. Siehe: Minorsky „Stichwort: Kurden“ S.1223
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74.
Daß eine andere Politik möglich gewesen wäre, beweist die Tatsache, daß einzelne Stämme der Region schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts den Ak-Koyunlu assoziiert waren, andere wie die „Pazuki“ oder die „Çemisgezeki“ sich während Uzun Hasans raschem Aufstieg anschlossen. (Detaillierte Informationen über die Zusammensetzung der Ak-Koyunlu finden sich bei: Woods The Aqquyunlu Anhang B)
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75.
Der einzige Ak-Koyunlu-Herrscher, der diesen Schritt ernstlich unternahm und die „Staatsgeschäfte nach Art der Osmanen“ (Minorsky „The Aq-Quyunlu and Land Reforms“ S.460) betreiben wollte, wurde von seinen eigenen Gefolgsleuten gleich bei der ersten Schlacht verraten und samt seinen neuen Elitetruppen in den sicheren Tod geschickt. Siehe auch: Woods The Aqquyunlu S.169
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76.
Fragner „Social and Internal Economic Affairs“ S.508 (meine Übersetzung)
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77.
Die folgende Stelle bei Fragner “[...] the institution of suyûrghâl formed a basis for all the forces in the state that were opposed to centralisation.” (ebenda) scheint mir in diese falsche Richtung zu gehen.
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78.
“On these occasions the whole court, led by the ruler, would forsake the capital city and take off for another, often far distant, part of the country where amid great pomp and ceremony a royal court encampment would be set up.” (Fragner „Social and Internal Economic Affairs“ S.530) Laut Woods (The Aqquyunlu S.284 Anm.71) nahm Uzun Hasans Sohn sein Sommerquartier z.B. in Qarabagh.
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79.
Auch Inalcïk charakterisiert das Reich der Ak-Koyunlu als “state [...] which retained a tribal structure”. (Inalcïk The Ottoman Empire. The Classical Age S.195) Hieraus folgt aber in keiner Weise, daß die empfindliche Niederlage, die Uzun Hasan 1473 bei Bayburt gegen die Osmanen erlitt, mit gesetzmäßiger Notwendigkeit eintrat, wie Werner es in eher vulgär-marxistischer Tradition aus einer ‚ehernen Stufenleiter‘ der Gesellschaftsentwicklung herleitet. (Siehe: Werner Geburt einer Großmacht S.302-304) Daß die Ak-Koyunlu der osmanischen Feldartillerie nichts entgegenzusetzen hatten, lag nicht an der geringer ausgeprägten Zentralisierung ihres Reiches, sondern daran, daß eine fest eingeplante Sendung venezianischer Geschütze von den Osmanen abgefangen wurde. (Ausführlich geschildert bei: Hinz Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.63-67) Im übrigen beeinträchtigte die Niederlage die Stabilität Uzun Hasans Herrschaft höchstens mittelbar, indem sie alle Aussichten auf weitere Expansion westlich des Euphrats zunichte machte. Siehe: Pitcher An Historical Geography of the Ottoman Empire S.80; Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.211
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80.
Bei den Steuerregelungen des vielgelobten „qânûn-nâmä-ye Hasan Pâdesâh“ (zu deutsch ungefähr: „Gesetzbuch des Großherrn Hasan“) handelte es sich zwar eher um eine Kodifizierung der bestehenden Gewohnheitsrechte denn um eine richtige Reform, so daß Höhe und Anzahl der Abgaben auch nach der ‚Reform‘ in jeder Provinz sehr verschieden blieben. Der eigentlich nutzbringende Effekt bestand wesentlich darin, daß nunmehr jeder über den festgelegten Satz hinausgehende Auspressungsversuch seitens habgieriger Steuereintreiber als Angriff auf den gesetzgebenden Herrscher selbst betrachtet wurde. Bei dieser Darstellung stütze ich mich auf: Hinz „Das Steuerwesen Ostanatoliens“ S.179
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81.
Siehe: Fragner „Social and Internal Economic Affairs“ S.508
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82.
Minorskys Darstellung vom kulturell bedingten Untergang der Invasoren durch Absorption in die überlegene persische Kultur, der sich auch Hinz (Irans Aufstieg zum Nationalstaat S.101) anschloß, kann ich gar nichts abgewinnen. „[...] Zahl und Kultur arbeiteten für die Einheimischen, und die neuen turkmenischen Eroberer [die Ak-Koyunlu, G.B.] mußten allmählich in den Iranern aufgehen.“ (Minorsky „La Perse au XVe siècle“ S.11; meine Übersetzung)
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83.
Siehe: Fragner „Social and Internal Economic Affairs“ S.508; Minorsky „The Aq-Quyunlu and Land Reforms“ S.461
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84.
„Letzten Endes waren die nomadischen Lebens- und Herrschaftsformen noch zu stark.“ (Roemer Persien auf dem Weg in die Neuzeit S.217)
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Günter Max Behrendt
E-Mail: g.behrendt@mbox.ipw.uni-hannover.de

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